Bezirkskonferenz 2007 in Deggendorf

"Klassenkrampf! - für ein besseres und gerechteres Bildungssystem in Bayern"

(Quelle: Passauer Neue Presse / Deggendorfer Zeitung, 16.04.2007)

Der 25-jährige Student Florian Seidl aus Hengersberg bleibt der Vorsitzende der Jusos Niederbayern. Bei der Bezirkskonferenz wurde er am Samstag im Gasthaus Straubinger Hof eindeutig in seinem Amt bestätigt. Der neue 14 – köpfige Vorstand besteht aus sechs Frauen und acht Männern.

Bei der Bezirkskonferenz hatten die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD ein ausgefülltes Programm: neben den Neuwahlen des Juso – Bezirksvorstands und der Delegierten zur Juso–Landeskonferenz wurde vom späten Vormittag bis zum frühen Abend unter dem Motto „Klassenkrampf! – für ein besseres und gerechteres Bildungs-system in Bayern“ kontrovers und produktiv diskutiert.

Im mit zahlreichen Gästen und Interessierten besetzten Saal des Straubinger Hofes durfte Florian Seidl, der alte und neue Vorsitzende der Jusos Niederbayern, den Juso – Landesvorsitzenden Thomas Goger, der den Jusos großen Dank für ihr Engagement im Kampf gegen Rechtsextremismus aussprach, sowie zahlreiche Funktionäre der SPD wie MdB Bruni Irber, MdL Gudrun Peters und MdB Florian Pronold begrüßen.

In ihrem Grußwort freute sich MdL Gudrun Peters über die vielen jungen Menschen, die sich engagieren und politisches Interesse zeigen. Im Hinblick auf das Thema der Konferenz bemängelte Peters, dass es in Bayern 20 000 Jungendliche ohne Ausbil-dungsplatz gäbe. Für diese Menschen müsse der Freistaat endlich eintreten. Laut Peters dürfe die bayerische Bildungspolitik nicht mit dem Abschluss auf der Hauptschule, dem Gymnasium oder der Realschule enden, sondern solle auch die berufliche Bildung umfassen.

Florian Seidl blickte in seinem Rechenschaftsbericht auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Durch Arbeitskreise zu den Themen Bildung und Ausbildung, Sozialstaat, Europa und Internationales, Umwelt und Wirtschaft und Arbeit wurde die inhaltliche politische Arbeit gestärkt und dabei Genossinnen und Genossen aus den verschiedenen Unterbezirken mit eingebunden. Auch die Zusammenarbeit einerseits mit den Untergliederungen und andererseits mit dem Landesvorstand ist positiv hervorzuheben. Im nächsten Jahr wollen die Jusos Niederbayern weiterhin viel Bildungsarbeit im Hinblick auf Gleichstellung der Frau und Kampf gegen Rechtsextremismus leisten.

Zum Thema „Klassenkrampf! – für ein besseres und gerechteres Bildungssystem in Bayern“ referierte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Helmut Oskar Brückner über die Probleme des dreigliedrigen deutschen Schulsystems und die Vorteile einer Gesamtschule. Kritisiert hat Brückner die Selektion nach dem 4. Schuljahr. Diese sei alles andere als pädagogisch, lern- oder entwicklungspsychologisch sinnvoll. Die Entscheidung für die Art der weiteren Bildung (Realschule, Hauptschule, Gymnasium) hänge meist vom Einkommen der Eltern ab. Je höher das Einkommen je Steuerpflichtigen, desto höher die Übertrittsquote ans Gymnasium. Je höher die Arbeitslosigkeit in einer Region, desto höher der Anteil an Hauptschülerinnen und Hauptschüler. Um dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken und die schlechte Stellung der Hauptschule zu verändern, fordert Brückner „Eine Schule für alle“. Solange hierarchische Schularten bestehen, beliebt auch die soziale Ungerechtigkeit. In einer Gesamtschule muss jedes Kind bestmöglich individuell betreut und gefördert werden. Vor allem am Beispiel Finnland werden die Vorteile einer Gesamtschule deutlich. Die Schulen haben große Freiheiten und die Lehrerinnen und Lehrer benoten nicht nur ihre Schüler anhand schriftlicher Ausführungen, sondern auch sich selbst hinsichtlich sozialer Kompetenz und Motivation. Die Lehrkräfte sollen den Kindern als Ansprechpartner und Betreuer dienen, nicht als Autoritätspersonen. Auch in vielen anderen Bundesländern wird das dreigliedrige Schulsystem stückweise beseitigt.

Nahezu identische Ansätze vertreten die Jusos in ihrem Leitantrag, den Martin Oswald verfasste. Neben der Selektion und Undurchlässigkeit, der Benachteiligung der Hauptschule und dem Zusammenhang zwischen sozialem Status und Bildungserfolg, wurde eine fehlende individuelle und ganztätige Betreuung angeprangert. Da die Jusos die Ursache für diese Bildungsungerechtigkeit vor allem in der Dreigliedrigkeit des Bildungssystems sehen, fordern sie die Abschaffung von Hauptschule, Realschule und Gymnasium zugunsten einer integrierten Gesamtschule, in der alle Kinder bis zur einschließlich 10. Klasse die gleiche Schulform besuchen. Die Kinder müssen hinsichtlich ihrer Fächerkombination eine größere Wahlfreiheit haben, um ihre persönlichen Interessen und Talente zu fördern. Außerdem muss das Lernen in Kleingruppen oder Gruppenarbeit verstärkt werden und die Anzahl der Kinder in den Klassen verringert werden. Jedes Kind, egal welcher Hautfarbe, welcher Religion, welchen Geschlechts und welchem sozialen Status´ muss die Chance auf eine gerechte, solidarische und kostenlose Bildung haben. Der Antrag wurde mit 34 Ja - Stimmen und vier Nein - Stimmen angenommen und wird jetzt an die Landeskonferenz weitergegeben.

 
 

Foto-Slideshow von der Bezirkskonferenz

 

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