I wie Intersektionalität

Die Gleichstellung von Mann* und Frau*, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Religion oder Sexualität, oder die Inklusion beeinträchtigter Menschen – dies alles sind Themen, die den Jusos Niederbayern schon lange am Herzen liegen. Deshalb kämpfen wir gegen Diskriminierung jeder Art.

Denken wir zumindest.

Denn auch wir tappen regelmäßig in die Falle des sogenannten „white feminism“. Das bedeutet, dass vor allem für Frauen gekämpft wird, die wir im Normalfall täglich vor der Nase haben – in vielen Fällen also uns selber, oder Schwestern, Mütter, Freundinnen. Und dieses Umfeld ist bei vielen von uns nun mal weiß (und körperlich unversehrt, heterosexuell und christlich). Dieses Denken ist nachvollziehbar, greift aber trotzdem zu kurz. Wer tiefer in die feministischen Theorien einsteigt, stößt schnell auf ein Wort, das diesen Umstand beschreibt: Intersektionalität. Dieser Begriff, der erstmal sehr groß und schwer zu fassen klingt, bedeutet, dass es auch Schnittstellen von Diskriminierung gibt, die wir häufig übersehen. Die Theorie geht davon aus, dass ein Mensch auch doppelt diskriminiert werden kann, und es dementsprechend nicht nur diskriminiert/nicht diskriminiert gibt. Es erfolgt sozusagen eine Addition der Diskriminierung. Anders gesagt: Eine schwarze Frau kann gleichzeitig aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Eine beeinträchtigte Frau kann aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung diskriminiert werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für Männer: Bei einem homosexueller Mann mit Beeinträchtigung addiert sich die Diskriminierung ebenso. Und so weiter und so fort. Die Kombinationsmöglichkeiten sind leider endlos.

Ein Beispiel, das diesen Zusammenhang verdeutlicht, stammt aus den USA. In den 1960ern entließ eine Firma aus Geldnöten alle weiblichen Angestellten mit dunkler Hautfarbe. Diese fühlten sich diskriminiert, und zogen vor Gericht, das sie jedoch abwies. Die Richter*innen argumentierten, die Angestellten seien nicht entlassen worden, weil sie Frauen sind, denn schließlich durften die weißen Frauen weiterhin in der Firma arbeiten. Ihre Hautfarbe könne jedoch auch nicht der Grund für ihre Entlassung sein, denn die männlichen Angestellten mit dunkler Hautfarbe waren ebenfalls nicht gefeuert worden. Ergo sei jede Einzelne persönlich dafür

verantwortlich. Dieses Urteil führte dazu, dass sich bis in die 1990er Jahre nur weiße Frauen und schwarze Männer in Jobs einklagen konnten. Dass es schlichtweg Überschneidungen geben kann, die zu einer stärker ausdifferenzierten Minderheit führen, übersahen das Gericht völlig. Dieser Umstand mag sich zwar inzwischen geändert haben, jedoch werden auch heute noch regelmäßig von intersektionaler Diskriminierung Betroffene im Kampf gegen das Patriarchat übersehen. Wir müssen uns deshalb immer wieder daran erinnern, dass viele Diskriminierte in der Öffentlichkeit und Gesellschaft weniger sichtbar sind als alle. Deshalb ist es den Jusos Niederbayern eine Herzensangelegenheit, sich verstärkt für all jene einzusetzen, die nicht immer die Möglichkeit haben, auf sich aufmerksam zu machen. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass alle Menschen gehört werden!

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