Mehrere Hundert Tote in nur einer Woche – und Europa sieht weg

Veröffentlicht am 04.06.2016 in Europa & Außen

Die Schließung der sogenannten Balkanroute für Geflüchtete aus dem Nahen Osten und Afrika ist keine Lösung, sondern eine geographische Verschiebung des Problems der menschenunwürdigen Flucht Hunderttausender. Anstatt den Frauen, Männern und Kindern, die vor Krieg, Elend und Tod fliehen müssen, humane Hilfsmöglichkeiten – auch vor Ort - zu bieten, verschließt die Europäische Union lieber weiterhin die Augen vor der Todesfalle direkt vor der eigenen Haustür.

Der Tod so vieler, die allein in der letzten Woche ihr Leben auf der Überfahrt von Libyen nach Italien verloren, sollte ein Weckruf für Europa sein. Es ist völlig inakzeptabel, dass ausgerechnet die Friedensnobelpreisträgerin EU unzählige Schiffsunglücke in Kauf nimmt, um vermeintliche innenpolitische Diskussionen um steigende Flüchtlingszahlen zu verhindern.
Wir sollten nicht vergessen, dass die Europäische Union diesen Preis für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte erhalten hat. Der Einsatz für diese Werte muss weiterhin höchste Priorität der Arbeit der EU haben – auch wenn davon im Moment keine Rede sein kann. Wer weiterhin wegsieht, wenn unzählige Menschen auf der Suche nach einem Leben in Frieden eben jenes verlieren, darf sich nicht Wertegemeinschaft nennen.
Nur weil die vielen Geflüchteten nicht mehr vor der deutschen Grenze stehen, dürfen wir sie nicht vergessen. Das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ darf niemals für Menschen in der Not gelten! Deshalb fordern wir, die Jusos Passau, endlich sichere und humane Fluchtwege für alle, die vor menschenunwürdigem Leben, Krieg, Hunger und Tod fliehen. Lasst uns endlich beginnen, die Werte,  in deren historischer Verantwortung die Europäische Union steht, auch offen zu leben – im kleinen, wie im großen.
Wir trauern um die Verstorbenen und danken allen Helferinnen und Helfern der italienischen Küstenwache und der vielen Hilfs- und Rettungsorganisationen für ihren unermüdlichen Einsatz.

 

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